Zählerfernauslesung

Neue Technik senkt Prozesskosten

Praktisches Beispiel: Forderungsmanagement

Von Dr. oec. Wolfgang J. Trein, FIGEMA DR. TREIN Unternehmensberatung

Die neue digitale Zählertechnologie für die Haushalte wird die Branche nach Un­bundling nochmals deutlich umkrempeln. Sie ist ein weiteres Puzzleteil zur Moderni­sierung und Optimierung der Geschäftsprozesse und Strukturen in den EVU.

Zu diesem Ergebnis kommt die FIGEMA DR. TREIN Unternehmensberatung, die sich auf der E-world Energy & Water in Essen und auf der Cebit in Hannover mit die­sem Thema umfassend beschäftigt hat und sowohl Anbieter der digitalen Zähler­technologie als auch Stadtwerksvertreter hierzu befragt hat. Was in Italien bereits umgesetzt wird und in Schweden demnächst erfolgen soll, wird auch bei uns in Bälde nicht nur breit diskutiert werden.

So bietet beispielsweise die EVB GmbH, Velbert sowohl den digitalen Stromzähler (von Echelon) an, der in Italien und Schweden eingesetzt wird, als auch, um dem Multi-Utility-Ansatz der Stadtwerke gerecht zu werden, einen digitalen Gaszähler so­wie einen digitalen Wasserzähler. Diese Zähler werden entweder über das Stromnetz oder per GSM-Kommunikationsmodul ausgelesen und die Zählerdaten per Schnitt­stelle ins ERP- oder Billing-System übertragen. Diese Technologie zeichnet sich durch die Merkmale fernablesbar, fernsteuerbar (z.B. Fernsperrung ohne Außendienst vor Ort, Tarifierung und individuelle Laststeuerung) und Prepayment aus.

Mit diesem Ansatz hat die EVB GmbH eine innovative Lösung parat, die bei den Stadtwerken und Energieversorgern in den Bereichen Handel, Kundenservice und Netzmanagement enorme Auswirkungen auf die Prozesse haben wird.

Nach Recherchen der FIGEMA Unternehmensberatung birgt die neue digitale Zäh­lertechnologie gerade im Multi-Utility-Ansatz bislang ungeahnte Potentiale bei der Optimierung der Prozesse und vor allem bei der Senkung der Prozesskosten. So wer­den die zu erzielenden Effekte voraussichtlich größer sein, als alle bisher getroffenen Maßnahmen im Rahmen des Unbundling. Das zeigen u.a. auch Wirtschaftlichkeits­rechnungen: die Investitions- und Anschaffungskosten für die Systeme amortisieren sich innerhalb weniger Jahre, wenn gleichzeitig mit der Einführung entsprechende Organisatorische Maßnahmen ergriffen werden. Denn Synergien fallen nicht sofort vom Himmel, wenn es darum geht Optimierungspotenziale auch tatsächlich auszu­schöpfen.

Betrachtet man beispielsweise das Forderungsmanagement in einem EVU. Dieses setzt sich prozessual aus Zahlungsverkehr, Mahnwesen, Inkasso/Sperrung/ Wiederin­betriebnahme (WIB) sowie Gerichtliches Mahnwesen zusammen (siehe Abbildung). Der Teilprozess Inkasso/Sperrung/WIB ist schon alleine für sich ein komplexer Prozess, der in der Regel mehrere Schleifen durchläuft, bis das EVU an sein Geld kommt. Dennoch ist durchschnittlich mit Forderungsausfällen von rund 50% zu rechnen. Die­sem kann mit der neuen Zählertechnologie vorgebeugt werden. Durch die Fern­auslesbarkeit und insbesondere die Fernsteuerbarkeit muß ein säumiger Kunde nicht mehr mehrfach unnötig aufgesucht werden, sondern er wird nach erfolgloser Mah­nung aus der Ferne zeitnah gesperrt. Handelt es sich um einen „sozialen Härtefall“, so kann ihm über die individuelle Laststeuerung „etwas“ Strom überlassen werden. Der säu­mige Kunde muss sich allerdings entscheiden, ob er Licht braucht, den Kühlschrank oder eine Herdplatte. Bezogen auf den Teilprozess Sperrung heißt das, dass die Durchlaufzeit dieses Teilprozesses deutlich verkürzt wird. So verkürzt sich zum einen die Prozessdauer zwischen Mahnwesen und Sperrung und zum anderen sind die mehrfachen „Schleifen“ nicht mehr erforderlich. Weiterhin ist keine Sperrung/ Entsperrung vor Ort mehr nötig, der Inkassoaußendienst entfällt, widerspenstige Kunden werden „diszip­liniert“, man erreicht eine Entschärfung bei „sozialen Härtefällen“ und man verwirklicht last but not least eine deutliche Kostenreduktion.

Auf der anderen Seite ist bei dem EVU, das solche Potentiale ausschöpfen will, die notwendige Motivation gerade bei Mitarbeitern des Zählerwesens sowie des Au­ßendienstes zu wecken und Ängste zu nehmen. Ein Vorgang, der behutsam began­gen werden muß.

Grundsätzlich läßt sich festhalten, dass Einspareffekte durch Prozessoptimierungen zusätzlich zu den Anschaffungskosten zu betrachten sind. Denn erst diese machen die neue Technik rentabel. Sie führen zu sofortigen Kostenreduzierungen! Das läßt sich belegen, indem individuell im EVU eine Vergleichsrechnung der laufenden Kos­ten z.B. im Forderungsmanagement - Teilprozess Inkasso / Sperrung / WIB vor und nach der Prozessoptimierung durchzuführen ist. Dabei werden die Prozesskosten, verursacht durch den herkömmlichen Zähler, mit den Kosten durch das digitale Zählersystem verglichen.

Die EVB GmbH hat im Anschluss an die Messezeit die ersten Pilotkunden für diese fortschrittlichen Zählersysteme zu vermelden.

  

 

 

 

 

 

Abb.: Der Prozess Forderungsmanagement ist ein komplexer Prozess, der heute hohe Kosten verursacht.

 

Erschienen in:    ZfK (Zeitung für kommunale Wirtschaft), Ausgabe 05/2006